30.05.2009 Pirat Lolo oder ein Polizeiauto?

Unternehmen im Gespräch: Griesheimer Textilhandel Prinz Emil sorgt mit „Riz Raz“ für Abwechslung bei Kinderkleidung

Von Bettina Pfeffermann

Sich selbstständig zu machen, kann vielerlei Gründe haben: Arbeitslosigkeit oder eine neue berufliche Herausforderung suchen, sind hier sicherlich häufiger zu nennen. Bei Sebastian Dehmer (27) liegt die Ursache ganz anders. Der Hochleistungssportler musste im vergangenen Jahr, sechs Monate vor den Olympischen Spielen in Peking, seine Vorbereitungen auf den Triathlon-Wettbewerb von einem Tag auf den anderen abbrechen. Die Diagnose lautete chronische Hepatitis B. Plötzlich war die vielversprechende Karriere des in Mainz stationierten Sportsoldaten beendet.
„Mein ganzes Leben war auf den Sport ausgerichtet", berichtet er ein Jahr später ganz gefasst. Denn in der Zwischenzeit hat sich sein Leben gewaltig geändert. Im Mittelpunkt steht jetzt nicht mehr der Triathlon, sondern sein Unternehmen „Prinz Emil". Ein wenig trainiert wird aber wieder, gibt Dehmer zu, wenn auch das Thema Hochleistungssport abgehakt sei.

Hinter dem ungewöhnlichen Firmennamen „Prinz Emil" steckt die Idee, Kindern individuelle und lustige Kleidung anzubieten, sozusagen ein Hemd zum Selbstdekorieren. Und dabei wird dann noch die Spiel- und Lernfreude des Kindes geweckt. Darüber hinaus werde dadurch den Eltern die Anzieh-Prozedur erleichtert. Der Firmenname Prinz Emil verbinde einerseits regionalen Bezug (Prinz-Emils-Garten in Darmstadt) und Persönliches, denn Dehmers Sohn heißt Noah Emil.

Dehmer, der in Darmstadt im zweiten Semester Industriedesign studiert, tüftelte das Konzept im heimischen Keller in Griesheim an der Nähmaschine aus. Es gehörte zu den Vorbereitungen zu seiner Mappe, die er der Hochschule vorlegen musste. Inspiriert hat ihn dabei sein dreijähriger Sohn. Dehmer kaufte verschiedene T-Shirts und experimentierte damit. Er fertigte sogenannte Patches an, die man auf die Hemden per Klettmaterial anheften kann. Noah Emil fand die Idee ganz toll und klebte sich ganz bereitwillig die Patches - rund fünf Zentimeter im Durchmesser groß - auf seine T-Shirts. Damit stand für Dehmer fest, die Idee funktioniert. Noah Emils Favorit ist übrigens ein kleines Polizeiauto. Das wiederum hätte der Vater nicht erwartet. Gibt es doch noch die Verkaufshits Paule, den Drachen, oder Lolo, den kleinen dicken Piraten. Das Drankleben und Abziehen der Motivstücke erzeugt auf dem Stoff das Geräusch „Riz Raz" und so lautet denn auch der Produktname.

Dehmer, der in seiner sponsoren-geförderten Sportler-Zeit einige Rücklagen gesammelt hatte, entschloss sich im August 2008 seine Firma Prinz Emil zu gründen. Zuvor versicherte er sich jedoch, dass noch niemand diese Idee auf den Markt gebracht hat. Name und Idee hat er schützen lassen. Auf der weltgrößten Kinder- und Jugendmesse in Köln, zu der er als Newcomer eingeladen wurde, feierte Dehmer 2008 gleich einen Erfolg: „Riz Raz" stand im Finale des Innovation-Award. Köln sei keine Ordermesse, so Dehmer, doch erste Aufträge habe er bereits an Land ziehen können. Hauptsächlich Kinderfachgeschäfte ordern seine kreativen Baumwoll-Textilien, die den Öko-Tex Standard 100 erfüllen. So hänge „Riz Raz" beispielsweise bereits in Kiel im Schaufenster.

Billigprodukte sind seine Sache nicht. Rund 20 Euro kostet ein T-Shirt inklusive einem Patch nach Wahl. Jedes weitere Patch - 40 verschiedene Motive stehen zur Verfügung, allerdings im Verkauf erst zehn - kostet 2,50 Euro. Damit die Textilien jedoch nicht zu teuer geraten, werde in Asien gefertigt. Zum Programm gehören neben Kurz- und Langarmshirts auch flauschige Kapuzenpullis.

Eine große Handelskette habe leider noch nicht angeklopft, bedauert der Geschäftsführer. Trotzdem blicke er auf ein turbulentes Jahr zurück: Super gestartet und dann denkt man, da sei eine Bremse drin. Das führt Dehmer auf die Finanzkrise zurück: „Einkäufer sind derzeit sehr verhalten. Da muss man dem Handel schon entgegenkommen." Dehmer und seine fünf freien Mitarbeiter haben aber gut zu tun. Denn auch ein Online-Shop ist inzwischen eingerichtet. Über den liebevoll gestalteten Internetauftritt ordern hauptsächlich Privatkunden. Ein Lager für Prinz Emil ist in Riedstadt, der Versand läuft über die Post. Unterstützt wird der Jung-Unternehmer auch von seiner Freundin und der Familie. Für dieses Jahr peilt Dehmer einen Umsatz von 50 000 Euro an.

Seine Ideen seien weitreichender, verrät er. Sprechen möchte er aber noch nicht darüber. Jetzt will er erst einmal so schnell wie möglich sein Studium beenden. Und auf 2012, Olympische Spiele in London, freut er sich schon - als Zuschauer.

Quelle: Echo-Online // www.prinzemil-shop.com